Secure Multiparty Computation verständlich erklärt: Funktionsweise, Sicherheitsmodelle, Protokolle, Anwendungen, Grenzen, Frameworks und Praxisbeispiele.

Was ist Secure Multiparty Computation?

Secure Multiparty Computation, kurz MPC, ermöglicht mehreren Parteien, gemeinsam eine Funktion auf ihren privaten Eingaben zu berechnen, ohne dass sie die zugrunde liegenden Eingaben gegenseitig offenlegen müssen.

Mehrere Organisationen besitzen Daten, die gemeinsam wertvoll wären. Gleichzeitig darf oder möchte niemand die eigenen Rohdaten vollständig an die anderen Beteiligten herausgeben.

Eine gesetzliche Krankenkasse möchte beispielsweise eine Daten zur Prävention ihrer Versicherten auswerten. Krankenhäuser möchten gemeinsame Fallzahlen analysieren. Banken wollen übereinstimmende Verdachtsfälle erkennen. Unternehmen möchten Gehaltsunterschiede untersuchen, ohne individuelle Gehaltsdaten offenzulegen.

Normalerweise müssten die Daten dafür an einer zentralen Stelle zusammengeführt werden. Secure Multiparty Computation verfolgt einen alternativen Ansatz:

Die Daten bleiben verteilt – nur die vereinbarte Berechnung wird gemeinsam ausgeführt.

Das klingt zunächst beinahe magisch. Tatsächlich steckt dahinter ein seit den frühen 1980er-Jahren entwickeltes und mathematisch formalisiertes Teilgebiet der Kryptografie.

Aber MPC ist kein magischer Datenschutzschild. Die Sicherheit hängt von der verwendeten Funktion, dem Protokoll, dem Angreifermodell, der Zahl kolludierender Parteien und den ausgegebenen Ergebnissen ab.

Du möchtest Secure Multi-Party Computation erst einmal verstehen?

Dann starte mit:

  • der einfachen Definition,
  • dem Millionärsproblem,
  • dem Drei-Tresore-Beispiel,
  • den Grenzen von MPC.

Du entwickelst Software?

Für dich sind besonders relevant:

  • Datentypen und Wertebereiche,
  • Secret Sharing,
  • Garbled Circuits,

Du gestaltest IT-Architekturen?

Für dich geht es vor allem um:

  • agile Zusammenarbeit in Teams und Vertrauensdomänen,
  • Kollusionsannahmen,
  • Netzwerk- und Betriebsmodelle,
  • Schlüssel- und Share-Management,
  • Ausfallverhalten,
  • Protokollauswahl,
  • Integration in Datenplattformen.

Du verantwortest Informationssicherheit oder Datenschutz?

Dann solltest du besonders auf Folgendes achten:

  • Was sieht jede Partei?
  • Welche Metadaten bleiben sichtbar?
  • Was verrät das Ergebnis?
  • Wer darf mit wem kolludieren?
  • Werden die Daten anonym oder nur pseudonym verarbeitet?
  • Wer kontrolliert die ausgeführte Funktion?
  • Wie werden Wiederholungs- und Differenzangriffe verhindert?

Du bist Produkt Owner und triffst Produkt- oder Investitionsentscheidungen?

Für dich beantworten wir:

  • Wann schafft MPC echten Mehrwert?
  • Wann ist Multi-Party Computaion unnötig kompliziert?
  • Welche Alternativen existieren?
  • Wie lässt sich ein Proof of Concept bewerten?
  • Welche Voraussetzungen braucht ein produktiver Betrieb?

Du arbeitest im Gesundheitswesen oder bei einer GKV?

Dann ist besonders wichtig:

  • MPC kann Gesundheitsdaten während einer gemeinsamen Berechnung schützen.
  • MPC verbessert nicht automatisch die medizinische Datenqualität.
  • MPC anonymisiert individualisierte Ergebnisse normalerweise nicht.
  • MPC schafft keine eigene Rechtsgrundlage.
  • Für § 25b SGB V eignet es sich als technische Schutzmaßnahme, ersetzt aber kein vollständiges Verfahrensmodell

Über den Autor:

Sascha Block - Rock the Prototype

Sascha Block

Ich bin Sascha Block – IT-Architekt in Hamburg und der Initiator von Rock the Prototype. Ich möchte Prototyping erlernbar und erfahrbar machen. Mit der Motivation Ideen prototypisch zu verwirklichen und Wissen rund um Software-Prototyping, Softwarearchitektur und Programmierung zu teilen, habe ich das Format und die Open-Source Initiative Rock the Prototype geschaffen.